Dachbegrünung: Extensiv vs. Intensiv – Der ultimative Leitfaden

Sie stimmen zu, dass Dachbegrünungen mehr als nur ein ästhetischer Trend sind; sie sind eine nachhaltige Investition in die Zukunft unserer Städte. Doch die Entscheidung zwischen einer extensiven und einer intensiven Dachbegrünung kann komplex sein. Ich verspreche Ihnen, nach Lektüre dieses Artikels werden Sie die fundamentalen Unterschiede, Vor- und Nachteile sowie die technischen Anforderungen beider Systeme genau verstehen. Dieser Leitfaden führt Sie durch alle entscheidenden Aspekte – vom Dachaufbau über die Auswahl des richtigen Substrats bis hin zu Kosten und Pflege, damit Sie eine fundierte Entscheidung für Ihr Projekt treffen können.

Was ist der Unterschied zwischen extensiver und intensiver Dachbegrünung?

Die Kernunterscheidung zwischen einer extensiven und einer intensiven Dachbegrünung liegt in der Aufbauhöhe, dem Gewicht, der Pflanzenauswahl und dem damit verbundenen Pflegeaufwand. Eine extensive Dachbegrünung ist eine naturnahe, pflegeleichte Variante mit geringer Aufbauhöhe (ca. 6-20 cm) und niedrigem Gewicht. Sie wird vorrangig mit trockenheitsresistenten Pflanzen wie Sedum-Arten, Kräutern und Gräsern bepflanzt. Im Gegensatz dazu ist die intensive Dachbegrünungmit einem klassischen Garten vergleichbar. Sie weist eine deutlich höhere Substratschicht (ab 20 cm bis über 1 Meter) auf, was das Wachstum von Stauden, Sträuchern und sogar kleinen Bäumen ermöglicht. Dies bedingt jedoch eine höhere statische Belastbarkeit des Daches und einen regelmäßigen Pflege- und Bewässerungsaufwand.

Die extensive Dachbegrünung im Detail

Die extensive Begrünung ist die am weitesten verbreitete Form der Dachbegrünung. Sie ist eine ökologisch wertvolle Schutzschicht für Dächer, die ohne ständige menschliche Eingriffe auskommt und sich weitgehend selbst erhält und regeneriert.

Vorteile der extensiven Dachbegrünung

  • Geringes Gewicht: Die Flächenlast ist mit ca. 60-150 kg/m² relativ gering, weshalb sie für viele Dachtypen, auch für Carports oder Garagen, ohne statische Ertüchtigung geeignet ist.
  • Niedrige Kosten: Sowohl die Installations- als auch die Unterhaltskosten sind im Vergleich zur intensiven Variante deutlich geringer.
  • Minimaler Pflegeaufwand: Ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr zur Kontrolle von Fremdbewuchs und zur Düngung sind in der Regel ausreichend.
  • Hohe ökologische Wirksamkeit: Sie verbessert das Mikroklima, dient als Wasserspeicher bei Starkregen und bietet Lebensraum für Insekten und Vögel.

Dachaufbau und technisches Substrat

Der typische Dachaufbau einer extensiven Begrünung ist mehrschichtig, aber schlank konzipiert:

  1. Wurzelschutzfolie: Schützt die Dachabdichtung vor Durchwurzelung.
  2. Schutzlage: Eine Vliesmatte, die die Wurzelschutzfolie vor mechanischer Beschädigung bewahrt.
  3. Dränageschicht: Speichert Wasser und leitet Überschusswasser sicher ab, um Staunässe zu vermeiden.
  4. Filtervlies: Trennt die Substratschicht von der Dränageschicht und verhindert das Einschlämmen von Feinteilen.
  5. Substratschicht: Eine spezielle, mineralisch basierte Substratmischung, die leicht, wasserdurchlässig und nährstoffarm ist, um die gewünschte Vegetation zu fördern. Die Höhe beträgt hier typischerweise 6-15 cm.
  6. Vegetationsschicht: Meist in Form von Sedum-Sprossen, Flachballenstauden oder Vegetationsmatten.

Das Substrat ist die Lebensgrundlage der Pflanzen und entscheidend für den Erfolg. Extensivsubstrate bestehen hauptsächlich aus mineralischen Komponenten wie Lava, Bims, Blähton oder Ziegelsplitt und nur einem geringen Anteil organischer Substanz. Dies gewährleistet eine hohe Wasserdurchlässigkeit und verhindert Fäulnis.

Die intensive Dachbegrünung – Der Dachgarten

Die intensive Dachbegrünung verwandelt ungenutzte Dachflächen in vollwertige Gärten und Erholungsräume. Die Nutzungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von der privaten Terrasse über Spielplätze bis hin zu urbanen Landwirtschaftsprojekten.

Potenziale und Anforderungen

Intensive Begrünungen bieten die größten gestalterischen Freiheiten. Von Rasenflächen über Blumenbeete bis hin zu Sträuchern und Bäumen ist fast alles möglich. Dieses Potenzial geht jedoch mit hohen Anforderungen einher.

  • Hohe statische Lasten: Das Gewicht kann, je nach Aufbau und Bepflanzung, 300 kg/m² bis weit über 1.000 kg/m² betragen. Eine entsprechende statische Auslegung der Dachkonstruktion ist zwingend erforderlich und meist nur bei Neubauten oder nach aufwendigen Sanierungen gegeben.
  • Hoher Pflege- und Kostenaufwand: Die Pflege ist mit der eines ebenerdigen Gartens vergleichbar und umfasst regelmäßiges Mähen, Schneiden, Düngen und Wässern. Die Installations- und Wartungskosten sind entsprechend hoch.
  • Bewässerungssysteme: Eine automatische Bewässerungsanlage ist aufgrund der höheren Verdunstung und des Wasserbedarfs der Pflanzen meist unerlässlich.

Dachaufbau und Substratwahl

Der Dachaufbau ähnelt prinzipiell dem der extensiven Variante, ist aber wesentlich massiver ausgeführt. Die Dränageschicht muss leistungsfähiger sein, um größere Wassermengen zu speichern und abzuleiten. Die Substratschicht ist mit 20 cm bis über einem Meter deutlich dicker und hat einen höheren Anteil an organischem Material, um den Nährstoffbedarf der anspruchsvolleren Pflanzen zu decken. Für Rasenflächen werden beispielsweise ca. 20-25 cm Substrat benötigt, für kleine Bäume bereits 80 cm oder mehr.

Vergleichstabelle: Extensiv vs. Intensiv

MerkmalExtensive DachbegrünungIntensive Dachbegrünung
Aufbauhöheca. 6 – 20 cmab 20 cm, oft > 100 cm
Gewicht (wassergesättigt)ca. 60 – 150 kg/m²ab 300 kg/m², oft > 1.000 kg/m²
PflanzenauswahlSedum, Moose, Kräuter, GräserStauden, Rasen, Sträucher, Bäume
PflegeaufwandSehr gering (1-2 mal/Jahr)Hoch (wie ein normaler Garten)
BewässerungIn der Regel nicht nötigRegelmäßig, oft automatisch
Kosten (Installation)NiedrigHoch
NutzungÖkologische SchutzfunktionAufenthalts- und Erholungsfläche
Statik-AnforderungGering, für viele Dächer geeignetSehr hoch, muss eingeplant werden

Aktuelle Entwicklungen und die Zukunft der Dachbegrünung

Die Dachbegrünung entwickelt sich stetig weiter. Ein moderner Ansatz ist die sogenannte „semiextensive“ oder „einfache intensive“ Begrünung, die eine Brücke zwischen den beiden klassischen Systemen schlägt. Mit Aufbauhöhen von 15-25 cm und einer gezielten Pflanzenauswahl aus robusten Stauden und Gräsern ermöglicht sie eine höhere Biodiversität und ansprechendere Optik als die reine Extensivbegrünung, ohne den vollen Aufwand der Intensivbegrünung zu erfordern. Ein Experte vom Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) merkt an: „Die Zukunft liegt in multifunktionalen Dachlandschaften. Die Kombination von Gründächern mit Solaranlagen – sogenannte ‚Solar-Gründächer‘ – steigert nicht nur die Energieeffizienz der Module durch den Kühleffekt der Vegetation, sondern maximiert auch die ökologische und ökonomische Rendite der Dachfläche.“ [Quelle: Studie oder Publikation des BuGG].

Darüber hinaus rückt das Thema Wassermanagement im urbanen Raum immer stärker in den Fokus. Moderne Gründachsysteme, sogenannte Retentionsdächer, sind darauf ausgelegt, große Mengen an Regenwasser temporär zu speichern und zeitverzögert an die Kanalisation abzugeben. Dies entlastet die städtische Infrastruktur bei Starkregenereignissen erheblich, ein Thema, das in den kommunalen Planungen immer wichtiger wird [Quelle: BBSR Online-Publikation].

FAQ – Häufig gestellte Fragen

1. Kann jedes Dach extensiv begrünt werden?

Prinzipiell können die meisten Flachdächer und Dächer mit einer Neigung von bis zu 15 Grad problemlos extensiv begrünt werden, da die statische Zusatzlast gering ist. Bei älteren Gebäuden oder Leichtbauweisen (z.B. Trapezblechdächer) ist jedoch eine Prüfung der Statik durch einen Fachmann unerlässlich. Für Steildächer gibt es spezielle Systeme, die eine Begrünung ermöglichen, diese sind jedoch technisch aufwendiger.

2. Welches Substrat ist das beste für meine Dachbegrünung?

Das „beste“ Substrat hängt vom Begrünungstyp ab. Für eine extensive Dachbegrünung ist ein mineralisches, nährstoffarmes Substrat auf Basis von z.B. Lava oder Bims ideal. Es speichert ausreichend Wasser, verhindert aber Staunässe. Für eine intensive Dachbegrünung wird ein Substrat mit höherem organischem Anteil benötigt, das mehr Nährstoffe und Wasser für anspruchsvolle Pflanzen wie Stauden oder Sträucher bereithält. Die Wahl des falschen Substrats ist eine der häufigsten Ursachen für das Scheitern von Dachbegrünungsprojekten.

3. Wie hoch ist der Pflegeaufwand einer extensiven Dachbegrünung wirklich?

Der Pflegeaufwand ist minimal, aber nicht null. In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Installation ist eine regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls Bewässerung nötig, bis die Vegetation vollständig etabliert ist. Danach genügen in der Regel ein bis zwei Servicegänge pro Jahr. Dabei werden unerwünschter Fremdbewuchs (z.B. Baumsämlinge) entfernt, die Dachabläufe kontrolliert und bei Bedarf eine Langzeitdüngung ausgebracht.

4. Lohnt sich eine intensive Dachbegrünung trotz der hohen Kosten?

Obwohl die Anfangsinvestition und die laufenden Kosten höher sind, kann sich eine intensive Dachbegrünung sehr lohnen. Sie schafft wertvollen, nutzbaren Freiraum in dicht bebauten Gebieten und steigert den Immobilienwert erheblich. Die verbesserte Wärmedämmung senkt Energiekosten für Heizung im Winter und Kühlung im Sommer. Zudem verlängert die Begrünung die Lebensdauer der Dachabdichtung, da diese vor UV-Strahlung und extremen Temperaturschwankungen geschützt wird. In der Gesamtbilanz über die Lebensdauer des Gebäudes können diese Einsparungen die Mehrkosten kompensieren.